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St.-Martins-Kirchen im Bezirk Rheinbach | Drucken |  E-Mail

Die Anfänge unserer Martinskirchen sind fast alle mehr oder weniger in Dunkel gehüllt. Auffallend ist das öfter vorkommende Martinspatrozinium im Bezirk Rheinbach. Das muß einen historischen Grund haben. Der hl. Martin war der Lieblingsheilige der fränkischen Hausmeier und Könige. Bei Kirchheim stand eine fränkische Königsvilla. Die von den Normannen im 9. Jh. zerstörte Königsvilla Flamersheim ist dieses Schloß der Franken, das sonst Hockebur heißt. Die Hofkapelle war ohne Zweifel dem hl. Martin geweiht. Wie sehr die Franken ihre Nationalheiligen verehrt haben, geht aus einer Schenkungsurkunde König Karlmanns hervor. Er schenkte dem Bischof von Würzburg 26 Kirchen, von denen 13 dem hl. Martin und sechs dem hl. Remigius, dem Bischof von Reims, geweiht sind. Das Remigius-Patrozinium ist bei uns ebenso selten wie das von den Franken auch geschätzte Patrozinium des hl. Brictius, des Schülers und Nachfolgers des hl. Martin.

Von Hockebur aus wurden die meisten unserer Martinskirchen gegründet, wenn dafür auch kein direkter historischer Beleg gegeben ist. Ob Flerzheim auch zum Ring von Martinskirchen um Hockebur gehört, ist fraglich. Was darauf schließen lassen könnte, ist der Umstand, daß Flerzheim zum Hoheitsgebiet der Tomburg und des Jülicher Amtes Neuenahr gehörte, die beide die Nachfolger der Pfalzgrafen bzw. der fränkischen Herren waren. Es dürfte aber wahrscheinlicher sein, daß Flerzheim sein Martinspatrozinium von Lüttich hat. Der ehemalige Propst Heraclius vom Bonner Cassiusstift wurde 959 Bischof von Lüttich. Dort gründete er ein Martinsstift, dem er seine Besitzungen in Flerzheim schenkte. Diese Beziehungen zum Lütticher Martinsstift könnten auch den Grund für den Pfarrpatron abgeben. Der Hochaltar der alten Pfarrkirche war dem hl. Martin geweiht. Eine Martinsglocke wurde von der alten in die neue Kirche, die auch wieder dem hl. Martin geweiht ist, übernommen.
Das Witterschlick das Martinspatrozinium der alten Kirche von Bonn her hatte, ist wohl ohne Zweifel. Auf alle Fälle bestand keine Beziehung zu Hockebur.
Wenn Euskirchen eine eigene fränkische Königsvilla besessen hat, dann ist klar, daß das dortige Patrozinium und das in Stotzheim und auch St. Brictius in Euenheim daher kommen.
Die erste Martinskirche, die von Hockebur gegründet wurde, ist wohl die Vorvorgängerin der Kirche in Flamersheim. Die bedeutsamste Martinskirche ist die in Reymbach. König Pipin schenkte 762 Rheinbach an die Abtei Prüm. Wahrscheinlich aber nicht die Kirche. Der königlich-fränkische Vasall Aglibert besaß bis dahin (762) das Patronat. Ihm stand auch nach der Schenkung noch der Zehnte in Rheinbach zu, also auch Pfarr-Recht und Patronat. 943 ist Prüm auch Besitzer der Kirche und überläßt den Eheleuten Remengar und Adalgard aus Dankbarkeit für seine Schenkung die Kirche mit allem, was von Rechts wegen dazu gehört, und zwar auf Lebenszeit. Nach deren Ableben übertrug Prüm das Patronat an die Tochtergründung Münstereifel.
Die alte Martinskirche in Rheinbach lag neben dem Kirchhof, also außerhalb der alten Stadtbefestigung. Als sie 1789, vom Blitz getroffen, abbrannte, wurde die Filialkirche (jetzige Kirche) innerhalb der Stadt zur Pfarrkirche erhoben. Sie war früher der Muttergottes und dem hl. Georg geweiht. Jetzt übertrug man auf sie das Martinspatrozinium.
Diese Kirche wurde vor dem ersten Weltkrieg erweitert. Die alte Kirche bildete die Vorhalle. Im letzten Krieg wurde außer dem Turm nahezu alles zerstört. Die jetzige Kirche ist faktisch eine neue Kirche. Die Rheinbacher sind aber ihrem Patron treu geblieben. Von Rheinbach aus wurden die beiden Martinskirchen Hilberath und Ippendorf gebaut.
Hilberath wurde spätestens in der fränkisch-merowingischen Zeit christianisiert. Auf dem so genannten Heidenfeld in Hilberath wird eine heidnische Opferstätte, wahrscheinlich der Swistgötter, gewesen sein. Auf der gegenüberliegenden Anhöhe, getrennt durch den Altendorfer Weg, wurde die Kirche gebaut. Sie gehörte zu den königlichen Eigenkirchen der Königsvilla Hockebur. In Hilberath war früher eine eigene Gerichtsstätte, vielleicht ein Ableger vom größeren Flamersheimer Gericht. Später gehört Hilberath zum Ahrgauer Dekanat.
Sie war eine der Sendkirchen, wo das Sendgericht abgehalten wurde. Die Hilberather haben das Martinspatrozinium auch beim Neubau der Kirche 1701 beibehalten. Der Hochaltar war in der alten und ist in der neuen Kirche dem hl. Martin geweiht. Die Kirche besitzt noch eine wertvolle Holzfigur des hl. Martin. Eine andere Holzfigur "Martin auf dem Pferd" ist verschwunden. Sie war in den zwanziger Jahren noch da.
Ippendorf war ebenfalls eine königliche Eigenkirche und gehörte auch zu Hockebur. Der Hauptaltar in der alten Kirche war dem hl. Martin geweiht. 1714 wurde die jetzige Kirche gebaut. Ippendorf gehört jetzt zu Wormersdorf, das seine neue Kirche ebenfalls dem hl. Martin geweiht hat.
Straßfeld hat heute den hl. Antonius zum Patron. Die Kirche soll an der Stelle eines alten Heidentempels gebaut sein. 856 bestand hier bereits eine königliche Gutskapelle. Wir gehen sicher nicht fehl, wenn wir annehmen, daß diese dem hl. Martin geweiht wurde. Sie war später auch Pfarrkirche.
Auch das Patrozinium des hl. Martinus in Ollheim weist in die fränkisch-merowingische Zeit, da Ollheim auf dem Gebiete der Königsvilla Hockebur lag. Die Kirche war ursprünglich eine Gutskapelle und das Patronat der Kirche wurde noch lange in Verbindung mit diesem Hof vergeben. Die alte Kirche vor 1907 hatte noch deutliche Reste eines alten romanischen Pfeilerbaues.
Das Patrozinium des hl. Martin in Dom-Esch stammt ebenfalls aus der fränkischen Zeit. 854 wird bereits die Kirche erwähnt. In Esch wohnte ein Freund Karls des Großen: der Stier von Wickrath. Die Volkssage berichtet, daß er noch ein Heide war. Er soll die Hälfte der Herrlichkeit Esch besessen haben. Karl d. Gr. Hat mit ihm oft im Flamersheimer Wald Hirsch und Eber gejagt.

Von Franzjosef Habitz 

Vom Rhein zur Ahr
Heimatblätter der Bonner Rundschau Nr. 10/1957